24.10.2011
Zuerst sieht es etwas martialisch aus. Gläserne Saugnäpfe sind am Körper befestigt, benzingetränkte Wattebäusche werden abgebrannt, die Haut färbt sich auffällig rot. Doch keine Sorge, Ihrem Körper geschieht nichts. Vielmehr kommen Sie gerade in den Genuss einer Schröpfmassage. Sie ist eine wirkungsvolle Methode zur Bekämpfung von Verspannungen, Hauterschlaffungen und Cellulite.
Die Schröpfmassage ist eine Reiztherapie und gehört zur Gruppe der Ausleitungsverfahren. Durch die spezielle Behandlung sollen Gifte aus den Körpersäften abtransportiert werden. Weitere ausleitende Verfahren sind Heilfasten, Blutegel-Therapie und, als Heilmethode nur im Notfall zu empfehlen, Erbrechen. Im Falle der Schröpfmassage werden sogenannte Schröpfgläser, in denen ein Vakuum entsteht, auf die Haut gesetzt. Durch das Abbrennen eines benzingetränkten Wattebauschs im Gefäß saugen sie sich am Körper fest und erzeugen einen Unterdruck.
Um die Gleitfähigkeit der Gläser zu erhöhen und unnötige Reibung zu verhindern, trägt der Therapeut vor Beginn der Behandlung ein vitaminreiches Öl oder ein Spezialgel auf. Hat er die speziellen Gläser angebracht, folgt die Lymphdrainage. Durch geringen Druck und langsame Ausstreichungen in Ausscheidungsrichtung erfolgt eine Stimulation bis in tiefliegende Gewebeschichten. Enzyme werden freigesetzt, Giftstoffe werden über die Lymphknoten abtransportiert. Die Saugwirkung führt an den entsprechenden Stellen zu einer Blutfülle (Hyperämie) mit kleinen Blutaustritten ins Gewebe. Die Folge sind blaue Flecken, welche sich schnell auflösen. Die Behandlung dauert zwischen 45 und 90 Minuten. Varianten stellen das trockene Schröpfen, bei dem ohne Öl gearbeitet wird, und das blutige Schröpfen, bei dem die entsprechenden Stellen kreuzförmig eingeritzt werden und bei der während der Behandlung bis zu 300ml Blut entnommen wird, dar.
Lange Tradition, vielfältige Wirkungsweise
Die Schröpfmassage, deren Vorkommen durch ein mesopotamisches Arztsiegel bereits im Jahr 3300 v. Chr. erwiesen ist, ist heutzutage Bestandteil vieler Therapiesysteme, so zum Beispiel der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) und der europäischen Naturheilkunde. Bei weiblichen Patienten ist sie vor allem als Methode zur Vorbeugung und Behandlung von Cellulite und zur Straffung des Bindegewebes beliebt. Doch auch Muskelverspannungen, Durchblutungsstörungen, chronische Schmerzen, Asthma, Bronchitis, funktionelle Darmerkrankungen, Depressionen und vieles mehr können durch die Heilmethode behandelt werden.
Vor der Erstbehandlung sollte allerdings ein Beratungsgespräch vereinbart werden, in dem eventuelle Kontraindikationen ausgeschlossen werden können. Schröpfmassagen sind nämlich nicht uneingeschränkt anwendbar. Menschen, die unter Tuberkulose, einem Tumor, Sonnenbrand, Brandwunden, frischen Verletzungen, akuten Entzündungen, Niereninsuffizienz, Thrombose oder Krampfadern leiden, dürfen sich nicht behandeln lassen, ebenso Schwangere bis zum vierten Schwangerschaftsmonat.
Auch sollte der behandelnde Therapeut die entstehenden Kosten erwähnen. Da bisher kein hinreichender wissenschaftlicher Nachweis über die Wirkung der Schröpfmassage vorliegt, werden die Kosten für die Anwendung nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Ein seriöser Schröpfmasseur wird Ihnen also nicht nur seine Ausbildungsnachweise zeigen, sondern Ihnen auch mitteilen, dass Sie die Behandlung (noch) aus eigener Tasche bezahlen müssen.
