15.02.2012
Planking als Trendsport zu bezeichnen, geht eigentlich zu weit. Das, was Gary Clarkson und Christian Langdon aus Somerset 1997 mit ihrem „Lying Down Game” („Hinlege-Spiel“) einleiteten, hatte nämlich nichts mit Bewegung zu tun. Aus purer Langeweile und dem Antrieb heraus, in einer kleinen Provinzstadt im Südwesten Englands irgendwie die Zeit rumzubekommen, legten sich die beiden Schüler zu Hause an allen möglichen Plätzen stocksteif hin. Diese Aktivität schien so viel Spaß zu machen, dass sich die Freunde schon kurz darauf an öffentliche Plätze begaben, um mit ihrer Aktivität Passanten zu verunsichern.
Ende 2007, die Orte zum Hinlegen waren noch ausgefallener geworden, gründeten Clarkson, mittlerweile 25 Jahre alt, und Langdon, 22, die Facebook-Gruppe The Lying Down Game. Innerhalb von nur zwei Wochen konnte die Seite 1.500 Mitglieder erreichen, auch begünstigt durch die Nachbarschaft und den Freundeskreis, die von dem ungewöhnlichen Zeitvertreib erfahren hatten. Im Mai 2011 zählte die Gruppe bereits über 107.500 Mitglieder und 20.500 Fotos. Zu diesem Zeitpunkt ging die Idee der beiden Freunde bereits um die ganze Welt – jetzt allerdings unter dem Namen „Planking“ (abgeleitet vom englischen Wort „plank“, zu Deutsch: „Pfahl“ oder „Brett“).
Höchste Konzentration und Spannung
So sinnlos, wie Planking auf den ersten Blick wirkt, ist es auch – das geben sogar die Erfinder zu. Wer allerdings behauptet, dass dafür keine Fähigkeiten nötig sind, der irrt. Immerhin verlangt das Planken einiges an Konzentration und Körperspannung ab. Die Athleten liegen flach wie ein Brett auf dem Bauch, die Blickrichtung ist gen Boden gerichtet, die Arme sind seitlich an den Körper gepresst. Während Anfänger Fußgängerzonen, Grasflächen, Tische oder Stühle beliegen, planken die Profis des Sports auf Häuserdächern, Zaunpfählen oder fahrenden Autos und Motorrädern. Die statische Muskelarbeit, die während der Aktivität verrichtet wird, ist wohl der Hauptgrund dafür, dass Planking als Sportart bezeichnet wird.
Einen großen Beitrag zur Popularität des Hinlege-Spiels lieferten die Medien, die das Internet-Phänomen erstmals Anfang Juli 2009 im englischen Nachrichtenkanal Sky News thematisierten. Zwei Monate später erregte ein Vorfall im britischen Swindon Aufmerksamkeit. Sieben Ärzte und Schwestern des Great Western Hospitals machten während ihrer Nachtschicht Fotos von ihrem Lying Down Game und veröffentlichten sie auf Facebook. Nachdem ein leitender Angestellter die Aufnahmen entdeckte, folgte die Suspendierung der Mitarbeiter, was ein riesiges Medienecho verursachte. Dass zur gleichen Zeit die Spieler des englischen Fußballvereins Accrington Stanley Planking als Torjubel verwendeten, trug zusätzlich zum Status als Mem (Internethype) bei.
Vom Lying Down Game zum Planking
Einem internationalen Publikum wird Clarksons und Langdons Kreation im Jahr 2011 bekannt. Mittlerweile ist das Lying Down Game in Australien zu einem echten Renner geworden. Allerdings heißt es hier Planking. Wo und wann genau sich der Namenswechsel vollzog, ist nicht restlos aufzuklären. Als früheste Quelle wird der Juli des Jahres 2010 angegeben. Gary Clarkson jedenfalls bezeichnet die Ereignisse auf dem kleinsten Kontinent der Erde als „zweite Welle“. Er besteht weiterhin auf dem ursprünglichen Namen und weiß mit den Anhängern seiner Seite www.lyingdowngame.net einige Unterstützer hinter sich. Neben dem Lying Down Game wurden den letzten Jahren weitere potenzielle Vorgänger genannt: Das Projekt „Lying Man in New York“ („Liegender Mann in New York“) des Künstlers Christian 3 Rooosen und des Fotografs Michael Abromeit im Jahr 1999, das koreanische Spiel “Playing Dead“ im Jahr 2003 und die französische Kunstseite „A plat ventre“ (französisch für „bäuchlings“) 2004.
Nichtsdestotrotz ist letztlich Australien für den internationalen Hype verantwortlich, wenn auch auf tragische Weise: Am 15. Mai 2011 stirbt der 20-jährige Acton B. in Brisbane, als er beim Planking betrunken von einem Balkon im siebten Stock fällt. Nur kurze Zeit später stürzt ein 20-jähriger Australier während des Plankens von einem fahrenden Auto und fällt ins Koma. Die Vorfälle veranlassen die Polizei, vor zu riskanten Planks zu warnen und bei bestehender Gefahr auch gesetzlich durchzugreifen.
Eine Erfolgsstory und kreative Nachfolger
Der Erfolgsstory des Planking tut dies freilich keinen Abbruch, ganz im Gegenteil: Die meisten Europäer erfahren erst durch die Schreckensnachrichten von der neuen Trendsportart und wollen diese, trotz der medial präsentierten möglichen Folgen, selbst ausprobieren. Bald füllen sich auch auf deutschen Facebook-Seiten Foto-Alben mit Menschen in Liegeposen. Dennoch diskutiert auch die internationale Gemeinde über allzu riskante Plankingaktionen. Als Konsens hat sich mittlerweile das Credo „Kreativität statt Wagemut“ etabliert.
Die Kreativität der Beteiligten führte auch dazu, dass sich im Laufe des letzten Jahres weitere, teils noch skurrilere Varianten des Planking entwickelten. So zum Beispiel das „Owling“, bei dem die Teilnehmer wie eine Eule mit geschlossenen Beinen in die Hocke gehen, die Arme wie Flügel anlegen und mit starren Augen nachtvogelmäßig in die Leere starren. Oder das „Tebowing“, bei man die markanteste Pose des American-Football-Stars Tim Tebow imitiert – auf die Knie gehen, den Kopf in eine Hand legen und beten (die Pose ist umso „spektakulärer“, je weniger die Pose in den Kontext des Umfelds passt). Erheiterung löste auch das sogenannte „Scarlettjohanssoning“ aus – in Anlehnung an die Nacktbilder der Hollywood-Schauspielerin, die im September 2011 an die Öffentlichkeit gerieten, fotografieren sich Männer und Frauen mit nacktem Po vor dem Spiegel. Klingt komisch, ist aber so.
Am 25. Mai haben Sie übrigens eventuell die Möglichkeit, das Spektakel einmal live zu beobachten. Dann ist der internationale Planking-Tag.
