27.06.2012
Die Hochrechnung ist Teil einer Befragung des Sozialpsychologen Jens Kleinert (Deutsche Sporthochschule Köln), dem Schmerzforscher Toni Graf-Baumann und dem Doping-Analytiker Mario Thevis. Gut 400 Sportler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurden zu ihrem Schmerzmittelkonsum befragt, darunter Bundesliga-Fußballer und Amateure, Handballer, Basketball- und Hockeyspieler.
36 Prozent der Sportler nahmen zum Zeitpunkt der Befragung Schmerzmittel zu sich, davon wiederum etwa 50 Prozent sogar mehrere Wirkstoffe gleichzeitig. Bemerkenswert: Weder zwischen den Sportarten noch zwischen Amateur- und Profisport gab es große Unterschiede im Hinblick auf die Einnahme. Finanzielle Abhängigkeiten spielten laut der Wissenschaftler keine Rolle.
Hochrechnungen zu Folge nehmen bei der aktuellen EM etwa 50 Prozent der Spieler Schmerzmittel zu sich, einige darunter auch prophylaktisch – ungeachtet der gesundheitlichen Risiken wie Leber-, Nieren-, Gewebe-, Gelenk- oder Bänderschäden. Dies ist dennoch ein Rückgang im Vergleich zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika: Dort nahmen nach FIFA-Angaben 60 Prozent der Spieler Schmerzmittel, fast 40 Prozent sogar vor jedem Spiel. Dabei gebe es kaum Unterschiede zwischen den verschiedenen Kontinenten.
Hans Geyer, Geschäftsführer des Zentrums für präventive Dopingforschung in Köln, plädiert dafür, über einen neuen Weg zur Minimierung des Schmerzmitteleinsatzes nachzudenken: „Schmerzmittel schalten den Schutzmechanismus des Körpers aus. So kann eine Leistung erbracht werden, die ohne nicht möglich wäre. Schmerzmittel werden schon im Training genommen, dadurch sind höhere Trainingsumfänge und -intensitäten möglich.“ Er fordert, genauso wie Studien-Mitautor Kleinert, Schmerzmittel künftig als Doping-Substanz zu deklarieren.
