02.05.2012
Die Wissenschaftler um Jorge Serrador von der Harvard Medical School in Boston (USA) ließen für Ihre Studie 13 Personen Eiswasser durch einen Strohhalm trinken. Die Probanden sollten den Strohhalm fest gegen den Daumen pressen, um die Wahrscheinlichkeit für einen „Brain Freeze“ – so wird der Schmerz im englischsprachigen Raum bezeichnet – zu erhöhen. Sobald die Kältekopfschmerzen bei den Personen einsetzten und wieder aufhörten, sollten sie jeweils die Hand heben. In einem Kontrollversuch tranken die Teilnehmer Wasser auf Raumtemperatur. In beiden Fällen überwachten die Forscher die Durchblutung im Gehirn.
"Als der Schmerz einsetzte, rauschte besonders viel Blut durch die vordere Hirnschlagader ins Gehirn", erklärte Serrador. Er vermutet, dass der Körper dadurch eine Art Schutzfunktion ausübt – das Organ soll nicht zu kalt werden. Die Kältekopfschmerzen wiederum entstünden wohl dadurch, dass das zusätzliche Blut im Schädel nirgendwo anders hinfließen kann. "Die darauf folgende Gefäßverengung verringert den Druck wieder, bevor er gefährlich wird", so Serrador. Dann lasse der Schmerz wieder nach.
Die Wissenschaftler vermuten, dass das Phänomen auch Ursache für andere Arten von Kopfschmerzen und für Migräne sein könnte, so zum Beispiel posttraumatische Schmerzen, an denen viele Soldaten nach Explosionsverletzungen leiden. Eine Hoffnung für viele Kopfschmerz-Geplagte: "Neue Medikamente könnten verhindern, dass sich die Blutgefäße an einer bestimmten Stelle plötzlich erweitern."
Experten mahnen jedoch zur Vorsicht. Die meisten Kopfschmerzarten würden nicht durch eine Veränderung in der Hirndurchblutung verursacht. "Bei Migräne liegt die Störung im Gehirn selbst vor. Die Blutgefäße sind hierbei nicht beeinträchtigt", sagte Teshamae Monteith, Spezialistin für Kopfschmerz an der Universitätsklinik in Miami (USA), dem US-Fernsehsender ABC.
Ebenfalls bemängelt wird die fehlende Beweisbarkeit der Forschungsergebnisse. So meint Neurologe Joel Saper, Institutsleiter des Michigan Headache & Nerological Institutes in Ann Arbor (USA): "Die Wissenschaftler haben nicht zweifelsfrei gezeigt, dass die starke Durchblutung wirklich die Schmerzen auslöst." Saper zufolge könnte das Rauschen des Blutes ins Gehirn auch die Folge (und nicht die Ursache) der Schmerzen sein. Sein Fazit: Die Studie sei zwar eine interessante Erklärung für die Entstehung von Kältekopfschmerzen – auf andere Kopfschmerzarten sei sie jedoch nicht übertragbar.
