25.07.2014

Martin Henning

Cliffdiving – Klippenspringen als Extremsport

Martin Henning

Cliffdiving – Klippenspringen als Extremsport

28.10.2011

Sie springen aus 25 Metern Höhe ins Wasser, nur wenige Meter von spitzen Klippen entfernt. Innerhalb von drei Sekunden beschleunigen sie auf bis zu 100 km/h. Ihre Figuren: Backtwists und Salti. Ihre ständigen Begleiter: Nervenkitzel und Lebensgefahr. Ihre Sportart: Das Klippenspringen.

Die Zuschauer treiben im Bergsee herum. Gespannt warten sie auf die Person, die gleich von einer 25 Meter hohen Klippe aus in den abgesperrten Wasserbereich vor ihnen springen wird. Kurzes Innehalten, dann ist es soweit. Innerhalb von nur drei Sekunden führt der Springer einen Doppelsalto vorwärts und drei Schrauben aus. Kerzengerade und mit den Füßen zuerst taucht er in das türkise Nass ein. Als er auftaucht, reckt er einen Daumen in die Höhe, um den Rettungstauchern zu signalisieren: „Ich bin okay“. Die Menge jubelt. Ein weiteres Mal hat ein Klippenspringer einen Sprung unbeschadet überstanden.

Klippenspringen, im englischen Sprachraum unter dem Namen Cliff Diving oder High Dive bekannt, ist einer der gefährlichsten Extremsportarten der Welt. Gerade einmal 300 Aktive weltweit betreiben diesen Sport. Voraussetzungen sind neben Mut und absoluter Körperbeherrschung auch jahrelange Erfahrung im Kunst- und Turmspringen, körperliche Fitness und ein lückenloses Wissen über Sprungabläufe. Mindestens 10 Jahre technische Erfahrung ist Pflicht. Dies ist notwendig, da bereits kleinste Fehler im Ablauf lebensgefährliche Folgen haben können.

Der Grund: Beim Klippenspringen ist die Belastung auf den menschlichen Körper etwa neunmal so hoch wie beim Turmspringen. Während des Eintauchens ist das Verletzungsrisiko am Größten, da die Körperteile unter Wasser bereits der Bremsung ausgesetzt sind, während die Körperteile über Wasser mit voller Geschwindigkeit nachstoßen. Dies ist der Grund, warum Klippenspringer bei extremen Höhen grundsätzlich mit maximaler Körperspannung und den Füßen zuerst in das Wasser eintauchen. Unmittelbar nach der ersten enormen Bremsung leitet der Athlet bereits das aktive Wegtauchen ein. So verhindert er, dass Körperteile durch die Zähigkeit des Wassers aus der Achse gedrängt werden. Taucht der Springer nicht perfekt ein oder weg, sind Verletzungen vorprogrammiert. Macht er gar einen „Bauchklatscher“, so ist der Aufprall auf das Wasser mit einem Sturz aus über zehn Metern auf die Straße vergleichbar.

Waghalsige Höhen – aber nicht um jeden Preis

Dabei steigt das Verletzungsrisiko überproportional zur Absprunghöhe. Zwar liegt der offiziell gültige Weltrekord bei 53,90 Metern (aufgestellt vom Schweizer Olivier Favre im Jahr 1987), dennoch werden Sprünge bei offiziellen Wettbewerben maximal aus einer Höhe von 28 Metern durchgeführt und durch Rettungstaucher begleitet. Alles andere ist aus Sicht von Experten nicht verantwortbar.

Einer, der diese Höhen spielend meistert und im Rahmen des Films „9Dives“ bereits von einer 34 Meter hohen Klippe sprang, ist Orlando Duque. Der gebürtige Kolumbianer ist neunfacher Weltmeister im High Dive und steht mit einem seiner Sprünge sogar im Guinness-Buch der Rekorde. Bei der WHDF Cliff-Diving-Weltmeisterschaft in Kaunolu, Hawaii im Jahre 2000 bewerteten alle sieben Kampfrichter seinen zweifachen Rückwärtssalto mit vier Schrauben mit der Höchstpunktzahl 10. Sein Gesamtscore von 159 Punkten ist die höchste je in einem Wettbewerb erzielte Bewertung. Als Aushängeschild und Botschafter des Sports bereist „The Duke“ die ganze Welt, um Menschen für das Cliff Diving zu begeistern und spektakuläre neue Locations zu erkunden.

Professionell, attraktiv und auch in Europa verbreitet

Sein Engagement zeigt Wirkung. Seit 1997 finden regelmäßig Events und Weltmeisterschaften statt. Durch den Einstieg des Getränkeherstellers Red Bull als Sponsor haben sich die Wettbewerbe zudem kontinuierlich professionalisiert. Die gute Außendarstellung bewirkt, dass sich das Bild über die High Diver grundlegend geändert hat. Früher noch als rücksichtslose Kamikaze-Springer verschrien, erhalten die Athleten heute den Respekt, den sie verdienen.

Die Begeisterung für den Sport besteht nicht nur in den Klippensprung-Hochburgen Mexiko (in der Stadt Acapulco befindet sich der weltberühmte Felsen La Quebrada) und USA, sondern hält auch in Europa Einzug. Besonders in der Schweiz ist die europäische Springerszene beheimatet, hier finden sich mit Ponte Brolla und Sisikon auch zwei Orte, die Wettkampfklippen beheimaten. In Deutschland ist Cliff Diving aufgrund der nicht vorhandenen Trainingsmöglichkeiten wenig bis gar nicht verbreitet – es fehlen Klippen mit entsprechender Höhe. Mit einem deutschen „Duke“ ist also auf nahe Zukunft nicht zu rechnen.
 

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