21.12.2014

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Vom Kettenraucher zum Marathonläufer

Eduard Andrae

Vom Kettenraucher zum Marathonläufer

10.02.2012

Ich heiße Eduard (Eddy) Andrae und wohne in Bremen. Als ich 2006 als 40jähriger Kettenraucher mit dem Laufen begann, hatte ich das Ziel, einmal im Leben einen Marathon zu überstehen. Das habe ich inzwischen mehrmals geschafft. Und mit dem Rauchen habe ich natürlich längst aufgehört. Aber der Reihe nach…

Wie alles begann

Begonnen habe ich mit dem Rauchen wie wohl die meisten: aus Neugier. Und um cool zu sein. So cool, wie die Älteren, die lässig ihre Kippen qualmten, und dabei so unglaublich reif und schon so erwachsen wirkten. Damals war ich gerade 12 oder 13 Jahre alt. Und ich erinnere mich daran, dass es gar nicht lange dauerte, bis eine Schachtel Zigaretten am Tag schon nicht mehr ausreichte.

Ich war also abhängig, schon lange bevor ich erwachsen wurde. Und über viele Jahre hinweg war mir meine Sucht offen gestanden völlig egal. Damals war das Rauchen noch (fast) überall erlaubt und es wurde sogar durch massive Werbekampagnen angepriesen. Die Zigaretten-Packungen waren noch nicht mit Warnungen vor den Gefahren des Rauchens bedruckt. Die Risiken waren mir dennoch bekannt. Aber ich habe sie für mich ausgeblendet. Ob das ein typisches Sucht-Verhalten ist, weiß ich nicht. Es ist wohl die einzige Möglichkeit, wenn man sowieso keinen anderen Weg sieht.

Ein Grund zum Aufhören musste her

Im Laufe eines Lebens ändert sich die Sicht auf die Dinge. Für mich bedeutete dies, dass ich umso mehr die Gefahren des Rauchens fürchtete, je länger und je häufiger ich Teer und Nikotin in meine Lunge und in meinen Körper pumpte. Die Wahrscheinlichkeit, Lungenkrebs zu bekommen, steigt doch bestimmt mit der Anzahl der Raucherjahre und der Menge der konsumierten Glimmstengel. In meinem Fall waren es immerhin 25 Jahre, multipliziert mit rund 50 Zigaretten pro Tag. Da kam ich immer häufiger ins Grübeln. Aber es reichte nicht, um mit dem Rauchen aufzuhören! Die Angst vor Krebs und dem Tod war nicht stark genug. Erst ein Buch (ich glaube, es ist das bekannteste Buch für angehende Nichtraucher) brachte mir zwei wichtige Erkenntnisse:

  1. Der Entzug dauert nicht länger als 2 bis 3 Tage
  2. Du brauchst DEINEN persönlichen Grund zum Aufhören

Die erste Erkenntnis war für mich ein echter Hammer. Wie oft habe ich mir schon ausgemalt, was alles geschieht, wenn mein Körper nicht seine tägliche Dosis Nikotin erhält. Angefangen von unerträglichen Kopfschmerzen, gefolgt von schwerwiegenden Verdauungsproblemen, bis hin zu Nervosität, Konzentrationsschwäche und Unausstehlichkeit, würde alles Mögliche passieren. Und zwar schon nach wenigen Tagen und für viele Monate! – Nun aber wusste ich, dass das alles gar nicht so schlimm werden könnte. Im Buch ist beschrieben, dass der körperliche Entzug von Nikotin schon nach ein paar Tagen komplett abgeschlossen ist. Danach gibt es kein physisches Verlangen mehr nach der Droge. Alles, was dann nach einer Zigarette schreit, ist „nur“ der Kopf! Also hausgemachte Leiden, keine „echten“? Dagegen würde ich doch wohl ankämpfen können…

Die zweite Erkenntnis war, dass es zum Aufhören keine Regel gibt, die jeder anwenden kann. Vielmehr muss der zukünftige Nichtraucher einen persönlichen Anlass definieren, der ausreichend stark genug wirkt, um das Verlangen nach der Zigarette zu übertreffen. Dies kann in vielen Fällen die Angst vor einer Krebs-Erkrankung sein – vor allem dann, wenn man durch Beispiele im eigenen Umfeld eine besondere Nähe dazu erfährt. Für andere kann es die Tatsache sein, dass man als Raucher unangenehm riecht. Raucher stinken! Und zwar nicht nur aus dem Mund, sondern aus jeder einzelnen Pore. Das merkt der Raucher selbst oft nicht, aber alle Menschen in seiner Umgebung.
„Mein Grund“ waren die enormen Kosten für das Rauchen. Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich jeden Monat über € 250,- in die Luft blies. Das war und ist eine Menge Geld! Und noch vorsichtig gerechnet… Diese Verschwendung wollte ich unbedingt abstellen. Und stattdessen mit dem Geld die Rate für ein neues Auto bezahlen. Das war „Mein Grund“ – und der hat funktioniert: Ich habe damals alle Kippen entsorgt und ein Auto bestellt. Seitdem habe ich nun über 6 Jahre keinen einzigen Zug an einer Zigarette mehr gemacht, aber bereits das nächste Auto bestellt.

Vom Raucher zum Marathonläufer

Marathon, geschafft

Eigentlich habe ich mit dem Laufen angefangen, weil ich einen Ausgleich zum Rauchen brauchte. Ich hoffte, durch das Laufen nicht dauernd an die Zigaretten zu denken. Außerdem wollte ich durch den Sport die Regeneration meines Körpers beschleunigen, das Nikotin regelrecht aus meinem Körper heraustreiben. Und schließlich wollte ich eine sinnvolle Beschäftigung für meine Freizeit finden.

Zwar bin ich auch als Raucher schon hin und wieder gelaufen. Aber weder regelmäßig, noch mit einem Ziel. Und genau das wollte ich nun ändern. Ein Ziel zu definieren ist gut, um einen Weg dahin zu bereiten und zu beschreiten.
Mein Ziel sollte sein, irgendwann mal die unvorstellbare Entfernung von 42,195 Kilometern zu laufen. Einmal bei einem Marathon am Start stehen und viele Stunden später über die Ziellinie laufen. Ein stolzer Finisher wollte ich werden. Und ich definierte ein Jahr als Zeitraum, um das zu schaffen…

Laufen ist einfach. Schuhe an und los. Kein Problem. Das kann fast jeder. Klar. Aber ich wusste nicht, ob ich „richtig“ laufen kann. Ich kann schwimmen. Ich weiß auch, wie man krault. Schon oft genug gesehen und einfach nachgemacht. Aber koordiniere ich dabei Arme, Beine, Körper und Atmung richtig für die optimale und ökonomischste Vorwärtsbewegung? Keine Ahnung. Das hat mir nie jemand erklärt.

Mit dem Laufen verhielt es sich ebenso. Aber im Unterschied zum Schwimmen wollte ich beim Laufen nun ein Ziel erreichen. Also brauchte ich eine, sagen wir mal, „Grundausbildung“. Und einen Plan. Einen Trainingsplan. Davon hatte ich schon gelesen…

Statt aber Bücher zu wälzen, schloss ich mich einer Laufgruppe an und ließ mir von einem Profi erklären, was man beim Laufen mit den Armen anstellt und wie man den Oberkörper hält. Ich lernte, dass zum Laufen auch Kräftigungs- und Dehnungsübungen dazu gehören sollten. Der Trainer beobachtete mich und kontrollierte meine Fehler, um meinen Laufstil zu optimieren. Ich trainierte nach einem auf meine Leistung und mein Ziel zugeschnittenen, ganz persönlichen Plan.

9 Monate später lief ich bei meinem ersten Marathon über die Ziellinie.

Laufen aus Leidenschaft

Stolz wie Oskar

Ich bin ein Freizeitläufer. Und ich werde immer einer sein. Ich bin übergewichtig (mein BMI pendelt zwischen 28 und 30 seitdem ich laufe) und ich könnte niemals Bestzeiten laufen. Ich gewinne keinen Blumentopf. Weder bei einem Marathon, noch auf kürzeren Distanzen. Aber das ist auch überhaupt nicht meine Absicht. Ich laufe aus purer Leidenschaft. Der Spaß steht an erster Stelle. Und an zweiter, und an dritter. Ein paar Mal im Jahr nehme ich an professionellen Lauf-Veranstaltungen teil. Ich genieße die Atmosphäre solcher Events, bekomme eine Gänsehaut beim Countdown vor dem Start und ich heule, wenn ich das Ziel erreiche. Natürlich werfe ich dann auch einen Blick auf meine Stoppuhr. Und ich bin stolz wie Oskar, wenn eine neue Bestzeit angezeigt wird. Aber das ist nicht meine Motivation. Wichtiger als Bestzeit laufen, ist Schweinehund besiegen: Auch heute noch ist die Distanz immer noch eine Herausforderung.

Wichtig ist allerdings, immer wieder Ziele zu definieren: 2011 habe ich mit der Teilnahme am New York Marathon eines erreicht, das mir vor ein paar Jahren noch genau so unwahrscheinlich erschien, wie überhaupt einmal 42 Kilometer zu laufen. Damit ist aber das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Auch nach der Teilnahme am König der Marathons gibt es neue Träume: als nächstes will ich einmal im Leben einen Ultra-Marathon schaffen. Heute noch undenkbar, aber allmählich entsteht da so ein Plan…


Gastautor: Eduard Andrae

www.eduard-andrae.de
 

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