20.08.2014

Martin Sutoris

Motivation - wie man sich motiviert, ohne es zu merken

Martin Sutoris

Motivation -  wie man sich motiviert, ohne es zu merken

22.10.2012

Gibt es Motivation überhaupt? Brauchen wir sie? Wenn ja, wofür? Vielleicht eher für Dinge, die wir eigentlich nicht erreichen wollen, weil wir uns dann eigens dafür motivieren müssen? Oder für außerordentlich ehrgeizige Dinge, die vermeintlich zwingend eine besondere Motivation erfordern? Oder einfach nur für Dinge, die wir tatsächlich erreichen wollen? Aber brauchen wir für Dinge, die wir wirklich erreichen wollen, überhaupt Motivation? Kommt der Wille, diese Dinge zu erreichen, dann nicht von allein?

Diese Fragen sind gut. Zum Vergleich: Wir brauchen streng genommen auch kein Zeitmanagement, was jedoch oft suggeriert wird. Dabei wird gerade mangelnde Zeit als Grund genannt, Ziele nicht angehen zu können. Wer genau weiß, was er will, wer über so etwas wie klare Ziele und Prioritäten verfügt, braucht keine Tipps zur Optimierung seines Zeitmanagements. Was nützt mir der gute Ratschlag, eine ordentliche Ablage für meine Akten zu organisieren oder einen sauberen Terminkalender zu führen, wenn klare Ziele und Prioritäten meine Handlungen determinieren? Wer weiß, was er will, teilt sich seine Zeit entsprechend ein und tut vornehmlich das, was ihn weiter bringt. Wer weiß, was er will, der tut es einfach - oder muss er sich doch erst dazu motivieren?

Nein! Es ist im Grunde ganz einfach: Wer klare Ziele hat, ist automatisch motiviert und der muss nicht noch zusätzlich an seiner Motivation arbeiten. Es gilt also, klare Ziele zu definieren! Man motiviert sich automatisch durch die Hintertür, indem Ziele und Werte klar definiert werden.

Aus Sicht eines Coachs, wie auch von Gastautor Martin Sutoris, existiert Motivation eigentlich gar nicht und dementsprechend kann man sie auch nicht „haben“. Denn sprach-logisch betrachtet ist das Wort Motivation eine Nominalisierung. Damit ist ein Verb gemeint, das grammatisch in ein Objekt verwandelt wurde. Eine Nominalisierung fängt somit den Prozess ein - das aktive Tun, das durch ein Verb ausgedrückt wird - und friert diesen Prozess förmlich ein, lässt ihn zu etwas Abstraktem verkommen.

Die Frage nach dem Erfolg macht unbeweglich

Tückisch dabei ist, dass unser Gehirn Nominalisierungen als etwas Unbewegliches, Unabänderliches, Gegenständliches wahrnimmt. Wir reagieren auf Nominalisierungen, die wir hören oder im inneren Dialog benutzen, mit weniger Flexibilität als auf Verben. Wir meinen dann, dass wir wenig daran oder dafür tun können: „Motivation haben oder nicht haben - es ist, wie es ist, ich kann nichts daran ändern.“ Nominalisierungen schränken uns ein und machen unbeweglich. Nun ist Einschränkung und Unbeweglichkeit nicht sonderlich nützlich, wenn ich mich motivieren oder Ziele erreichen will.

Ein Beispiel: viele Existenzgründer hoffen intensiv auf „den Erfolg“. Doch was bedeutet Erfolg wirklich? Kann man ihn sehen oder anfassen? Ist es zwangsläufig der Porsche vor der Villa? Und wenn kein Porsche vor meiner Villa steht, bin ich dann nicht erfolgreich? Viele Gründer reagieren bei der Frage, ob Sie Erfolg haben, mit einer Art Abwehrhaltung und beginnen sich um eine konkrete Antwort zu drücken. Wenn man sie jedoch fragt, was erfolgen soll, erzählen sie begeistert von vielen guten Ideen, Vorhaben, Möglichkeiten etc., die allesamt Erfolg versprechend klingen. Die Frage nach „dem Erfolg“ macht unbeweglich - wegen der Nominalisierung. Die Frage hingegen, was erfolgen soll, macht den Gedanken- und Energiefluss sowie den Zugriff auf die eigenen Fähigkeiten wieder frei! So kann ich z.B. auch nicht Gesundheit im oder am Körper haben, sondern ich kann möglicherweise gesund sein oder gesund werden.

Prüfen sie es einmal selbst, indem Sie sich folgende zwei Fragen stellen: Habe ich Motivation für meine Pläne? Wie kann ich mich für meine Pläne motivieren?

Und, welchen Unterschied merken Sie? Welche Frage ist nützlicher?

Oder der Unterschied dieser Fragen: Haben Sie Ziele im Leben? Worauf zielen Sie?

Was wir zunächst tun müssen ist, die Nominalisierung „Motivation“ in ein Verb zurückzuführen. Das geht ganz einfach durch eine Frage: Wie motiviere ich mich? Jeder hat sich bereits schon vielfach erfolgreich motiviert. Wie schaffen Sie es zum Beispiel, zur Arbeit zu fahren, auch wenn Sie gar keine Lust dazu haben?

Ziele und innere Strategien entwickeln

Jeder verfügt über innere Strategien, um etwas Äußerliches zu tun oder zu erreichen. Bereits Konfuzius stellte fest: „Für jedes äußere Problem muss erst ein inneres Problem gelöst werden.“ Es geht hierbei um innere Prozesse, mit Verben beschrieben, die Sie dazu bringen, etwas zu erreichen oder ein Problem zu bewältigen: Zum Beispiel trotz hoher Unlust am Arbeitsplatz zu erscheinen. Eine innere Strategie ist so etwas wie eine Anleitung, die Sie sich innerlich selbst geben. Eine Anleitung kann z.B. aus einer attraktiven Zielvorstellung, der Erinnerung positiver Erfahrungen oder aus einer Redewendung bestehen. An unserem Beispiel könnte das der imaginäre Blick auf die nächste willkommene Gehaltsüberweisung sein oder die sprachliche Anleitung: Ich schaffe es immer irgendwie, meinen Pflichten nachzukommen.

Im Bestfall habe ich natürlich eine Anleitung für etwas, das es zu erreichen gilt, für das ich mich möglichst wenig motivieren muss. Doch wie funktioniert das?

Ganz einfach: Wir brauchen Ziele!

Nun gibt es noch einen Unterschied zwischen funktionierenden Zielen und nicht funktionierenden Zielen. Erstere haben gemein, dass Sie eine bestimmte Struktur vorweisen. Anhand dieser Struktur kann sich jeder Mensch Ziele selber definieren. Ziele, die er erreichen will und die er mit Hilfe dieser Struktur erreichen kann. Ziele, für die er automatisch motiviert sein wird.

Bevor man nun Ziele formuliert, sollte man sich sinnvoller Weise vorab darüber klar werden, was einem wichtig am gewünschten Ziel ist. Gefragt sind also Werte, Überzeugungen oder auch sogenannte Glaubenssätze. Diese Begriffe sind Indikatoren, die uns anzeigen: Hier ist für dich ein wirklich tolles Ziel! Wenn diese Zielindikatoren klar erarbeitet sind, bin ich automatisch motiviert, ein Ziel anzugehen und zu erreichen.

Das „smart“-Prinzip

Folgendes Szenario verdeutlicht es: Mal angenommen, Sie haben Morgen keine Lust, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen und die vereinbarte Leistung zu erbringen. Was nun? Sie meinen, Sie wollen lieber zu Hause bleiben und brauchen Motivation, um zur Arbeit fahren zu können? Und wie wollen Sie sich motivieren? Versuchen Sie es einmal so - mit drei Schritten:

1. Schritt: Werte herausarbeiten

Ihr Ziel lautet somit erst einmal, dass Sie irgendwann am Arbeitsplatz erscheinen und nicht untätig bleiben. So weit, so gut. Prüfen Sie bitte nun einmal, was Ihnen am Thema Arbeit grundsätzlich wichtig ist. Und was alles ist Ihnen an genau Ihrem Arbeitsplatz wichtig? Warum arbeiten Sie überhaupt? Warum bleiben Sie nicht zu Hause? Welchen Wert hat Arbeit für Sie unter persönlichen, familiären und sozialen Aspekten? Nehmen Sie sich dafür ruhig etwas mehr Zeit. Es lohnt sich. Sie wissen dann, was Ihnen wichtig ist - welche Werte speziell Sie motivieren.

2. Schritt: Ziel klar definieren

Funktionierende Ziele haben eine bestimmte Struktur. Manager sprechen von der Zauberformel "smart". Dieses Akronym steht für Ziele, die spezifisch (s) sind, messbar (m), attraktiv (a), realistisch (r) und terminiert (t). Fragen Sie sich also: Was genau möchten Sie erreichen? Woran erkennen Sie, dass das Ziel erreicht wurde? Was genau reizt Sie am Ziel? Ist das Ziel grundsätzlich und durch Sie erreichbar? Wann möchten Sie das Ziel erreicht haben? Diese Fragen sind äußerst nützlich, um ein funktionierendes Ziel zu definieren. Noch effektiver wird die Struktur Ihres Ziels, wenn Sie auch diese Fragen bearbeiten:

Beziehen Sie Ihre Sinne und Kreativität mit ein: Wie erkennen Sie, dass Sie auf einem guten Weg sind? Was können Sie alles Wunderbares wahrnehmen (hören, sehen, fühlen, ggf. riechen oder schmecken) wenn Sie das Ziel schon erreicht haben? Welche neuen positiven Konsequenzen ergeben sich aus der Zielerreichung? Denken Sie an Ihre Fähigkeiten: Was brauchen Sie, um das Ziel zu erreichen? Welche früheren Fähigkeiten haben Sie hierbei möglicherweise noch nicht einbezogen? Was ist grundsätzlich mit Ihrer Fähigkeit, etwas anzupacken oder etwas zu wollen?

Nicht funktionierende Ziele umformulieren

Bedenken Sie Ihr persönliches Umfeld und beachten Sie Hindernisse: Welche Auswirkungen hat das Ziel auf Familie und Freunde? Welche negativen Konsequenzen bringt mein Ziel möglicherweise mit sich? Welche Hindernisse erwarten mich auf dem Weg? Und wie gehe ich mit diesen Hindernissen um? Nützlicherweise ergibt sich sukzessive aus der Beantwortung dieser Fragen auch wie von selbst ein Handlungsplan, motiviert sein inklusive.

Wenn Sie hingegen eher mit etwas aufhören wollen, wenn die Vermeidung von etwas ihr Ziel ist, z.B. „ich will weniger rauchen“, dann versuchen Sie dieses mit Sicherheit „nicht funktionierende Ziel“ positiv umzuformulieren und fragen sich: Was will ich stattdessen? Vielleicht Sport treiben? Und dann beginnen Sie mit diesen zwei Schritten einfach von vorne. Und beachten Sie dabei noch, dass Ziele spezifisch sein sollten. Sie sollten also nicht versuchen, weniger zu rauchen, sondern konkret eine Anzahl festzulegen: zum Beispiel drei oder null Zigaretten pro Tag.

3. Schritt: Ziel formulieren

Sie wissen nun, was Ihnen wichtig ist, warum Sie trotz Unlust zur Arbeit fahren. Und Sie haben eine funktionierende Struktur für Ihr Ziel erarbeitet. Jetzt müssen Sie nur noch einen vollständigen Satz daraus formulieren, den Sie sich am besten auf einen Zettel schreiben und gut sichtbar aufhängen. An unserem Beispiel könnte das so aussehen:

„Mir ist wichtig, mein Einkommen zu erhalten und Spaß mit meinen Kollegen zu haben. Mein Ziel lautet: Auch wenn ich keine Lust habe, steige ich um 6.45 Uhr in mein Auto und fahre zur Arbeit, wo ich bis 16.00 Uhr die Aufgaben a, b und c erledige, mit Karl-Heinz beim Kaffee über nervige Kunden lache und mich auf das Gehalt freuen werde.“

Machen Sie die Gegenprobe: Ist dies realistisch, durch Sie erreichbar, terminiert, spezifisch genug formuliert, können Sie sich ergebende Hindernisse meistern? Wenn ja, gut. Wenn nein, experimentieren Sie mit der Formulierung, bis Sie eine haben, die Ihnen ein gutes Gefühl bereitet.

Zu guter Letzt müssen Sie wissen, dass am häufigsten jene Ziele erreicht werden, mit deren Umsetzung sofort begonnen wird. Das kann ein noch so kleiner Schritt sein, wichtig ist vielmehr, dass er sofort geschieht: Was können Sie also noch heute tun, spätestens Morgen, um Ihrem Ziel schon einen Schritt näher zu kommen?

Wenn nichts funktioniert: Die innere Stimme erforschen

Wer nach so einem Prozess immer noch nicht motiviert ist, der muss wahrscheinlich noch mit einer inneren Blockade oder dem folkloristischen Schweinehund fertig werden, um motiviert loslegen zu können. Versuchen Sie in dem Fall - mit schönem Gruß an Konfuzius - einmal Ihre innere Stimme zu erforschen. Wenn Ihre innere Stimme Sie nun davon abhält, trotz des ausgearbeiteten Ziels zur Arbeit zu fahren, so stellen Sie sich diese Frage: Was will diese innere Stimme eigentlich für mich Positives erreichen, indem sie mich von der Arbeit abhält?

Die Frage erscheint vielleicht vertrackt, aber es macht großen Sinn, in der Form darüber nachzudenken! Vielleicht ist für Ihr Gewissen, präsent durch die innere Stimme, zuerst noch etwas Wichtiges sicherzustellen, bevor Sie das Ziel angehen können? Was ist es? Vielleicht muss beispielsweise noch gewährleistet sein, dass Sie am Arbeitsplatz Rücksicht auf eigene Bedürfnisse nehmen oder nicht zu viel arbeiten? Oder sagt Ihnen die innere Stimme, dass die Spritpreise zu hoch sind, um mit dem Auto zu fahren? Die innere Stimme kennt viele gute Gründe, nicht zu beginnen. Überlegen Sie sich dann alternative Handlungen, die Ihr Ziel begünstigen - anstelle der Handlung, nicht zu fahren oder zu Hause zu bleiben. Wichtig ist, dass durch Alternativen dieses Positive, was die innere Stimme verlangt, ebenfalls sichergestellt wird.

Wenn die innere Stimme also sagt: „Fahre nicht zur Arbeit, dort ist es zu stressig!“, dann überlegen Sie, wie Sie diesen darin enthaltenen positiven Wunsch - sich nicht zu stressen - gewährleisten können, wenn Sie dennoch zur Arbeit fahren. Vielleicht machen Sie längere Pausen, weniger Tempo oder weniger Aufgaben für heute?

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Martin Sutoris, Jahrgang 1978, studierte Musik, Psychologie, BWL. Er leitet eine Bildungseinrichtung für Bewegung und kulturelle Bildung in Köln, ist bundesweit als Coach und Trainer für Ausbildungsinstitute und Unternehmen aktiv und verfügt über langjährige Erfahrungen in der Kultur- und Bildungsbranche. www.coaching-smart.de

 

Bildquelle: DVIDSHUB, http://www.flickr.com/photos/dvids/6749625221/sizes/l/in/photostream/

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