12.01.2012
Aus einem katastrophalen Lauf am Rande des Herzinfarktes entwickelte sich nach und nach eine Leidenschaft für das Laufen, die man schwer beschreiben kann. Es ist auch weniger die körperliche Fitness, die einen immer weiter antreibt, seine Runden zu drehen. Es ist, jedenfalls für mich, eine mentale Geschichte. Mich treibt es nicht zum Laufen, um Bestzeiten zu erzielen oder Platzierungen bei Wettkämpfen zu erlaufen. Nicht, dass man sich hier und da nicht messen möchte - mal sehen, wie schnell so ein Kilometer wirklich geht. Versuchen, den Mitläufer im Marathon im Zielsprint hinter sich zu lassen. All das sind Instinkte, die man nicht verleugnen kann. Aber es sind nicht meine Beweggründe für´s Laufen.
Es ist einfach das Laufen selbst. Die natürlichste Art, sich fortzubewegen. Wenn dies noch im Einklang mit der Natur geschieht, ist es wie ein Kurzurlaub für die Seele. Stress und Anspannungen fallen von einem ab. Zeit zum genießen und nachzudenken, während man stundenlang in der Natur unterwegs ist. Nicht das Ziel ist das Wichtige, der Weg dorthin es.
Es ist nicht für jeden eine Entspannung, stundenlang durch die Wälder zu Laufen. Es ist auch bestimmt nicht leicht vermittelbar, zehn und mehr Stunden zu laufen.
Aber wenn man einmal in diese Welt eingetaucht ist, wenn man Gleichgesinnte getroffen hat, mit denen man gemeinsam große Touren unternehmen kann, abseits von irgendwelchen Ansprüchen und Ambitionen, nur, um Spaß zu haben… Viele wissen, wovon ich spreche und werden diese Erlebnisse niemals missen wollen. Es ist eine illustre Gesellschaft, die sich da in dem Bereich der Ultraläufer tummelt. Eine offene und freundliche Gemeinschaft, die gerne das Laufen mit dem geselligen Beisammensein verknüpft. Eine besondere Art von Menschen, wie ich meine. Ausgeglichener und entspannter als die meisten.
So wie ich. Einer, der es geschafft hat, von der dicken Couch-Potato zum Läufer zu werden. Gesund, zufrieden und entspannter als die ganzen Jahre zuvor. Der Körper dankt es einem.
Aus einem gestressten, übergewichtigen und kranken Menschen ist ein ausgeglichener und zufriedener Zeitgenosse geworden. Ein Mensch, der es gelernt hat, seinen Körper zu verstehen und ihm Gutes zu tun. Nicht von Heute auf Morgen. Nicht ohne viel Lehrgeld gezahlt zu haben. Aber einer, der letztendlich das Glück hat, Laufen zu dürfen!
Und jeder hat die Möglichkeit, dieses Glück kennen zu lernen. Man muss es nur wollen und seine Laufschuhe schnüren.
Keep Running!
Gastartikel von Gerd Dietrich-Rosenbrock, www.diro-online.com